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Adorno - Der Bürger als Revolutionär (Teil 1 und 2)
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1:57:44  - Vor 2 Jahren
Teil 1: Eigentlich wollte Adorno Musiker werden. Nach eigenen Angaben konnte er singen, bevor er sprechen lernte. Doch in Wien, wo er bei Alban Berg Komposition studierte, fand er keinen richtigen Anschluss an die musikalische Avantgarde. Dafür lernte er Max Horkheimer kennen, den jungen Marxisten und späteren Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Was als freie Mitarbeit Adornos für das Institut begann, mündete in einen lebenslangen Männerbund. Hork-heimer holte Adorno 1938 in die USA und rettete ihm so das Leben, denn Adornos Vater war Jude. Die deutschen Sozialforscher fanden sich im amerikanischen Wissenschaftsbetrieb nicht zurecht. Ihm blieb nur der Rückzug ins Private. Während in Europa der Krieg tobte, schrieb Adorno die Werke, die seinen späteren Ruf begründeten: "Minima Moralia“ und, zusammen mit Horkheimer, die "Dialektik der Aufklärung“. Teil2: "Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, scheint mir die allererste an Erziehung“, so Adornos Motto für den Neubeginn im Nachkriegsdeutschland. Mit amerikanischen Geldern wurde das Institut für Sozialforschung nach dem Krieg als private Einrichtung neben der Frankfurter Universität wieder aufgebaut. Es entwickelte sich bald zum Studienort und Kristallisationspunkt für junge, wissbegierige Intellektuelle wie Jürgen Habermas, Joachim Kaiser, Alexander Kluge oder Bazon Brock. Im Kalten Krieg wollten ihre Lehrer Horkheimer und Adorno aber lieber verschweigen, dass sie eigentlich Marxisten waren. Die Kritische Theorie ließ sich auch ohne Marx-Zitate lehren. Horkheimer verstand es, sich mit dem neuen konservativen Establishment gut zu stellen. Kaum eine öffentliche Debatte in den 60er Jahren fand ohne ihn statt, in Rundfunk und Fernsehen war er mit seinen Theoriegebilden und seiner permanenten Kritik an der "verwalteten Welt“, an der Bedrohung durch die "ins Ungeheuerliche zusammengeballte Wirtschaft“ ständig präsent. Das Leben war per se unfrei - diese Botschaft fiel auch bei den Studenten auf fruchtbaren Boden. "Es ist schon einiges dran, dass 68 ihm das Herz gebrochen hat“, resümiert Rüdiger Safranski. Adorno starb 1969.
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